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Mittwoch, 11. Juli 2018

Wiesen clever verbessern Nur saeen was fehlt und Ertrag bringt

  • Dipl. - Ing. Johann HUMER
  • 29. November 2013
  • Wiesen clever verbessern: Nur säen was fehlt und Ertrag bringt!







  • Die gute Bodenfeuchte im Frühjahr und der oft offene Boden im Frühjahr durch Schädlinge oder Verletzungen der Wiesennarbe vieler Wiesen ist eine gute Chance zur Wiesenverbesserung durch Einsaaten. Praktiker die ihre Futterwiesen wieder auf Schwung bringen wollen sollten dieses Zeitfenster als günstige Gelegenheit nutzen um die Lücken mit den besten und ertragreichen Wiesenfutterpflanzen zu füllen, bevor Unkräuter die Lücken ausnutzen. Das wichtigste Merkmal ertragsreicher Wiesen ist ein hoher Gräseranteil mit wertvollen Zuchtgräsern. Zumindest 80% an wertvollen Futtergräsern solllte man im Bestand anstreben. Mit der gezielten Auswahl der wirklich wüchsigen Futtergräsern wird auch das Saatgut effizienter eingesetzt. Man will ja nur den Ergänzungsbedarf fehlender Grasarten säen. Damit vermeidet man auch die verlorenen Kosten für kaum, langsam oder nie wüchsige Arten fertiger Einsaatmischen. Mit dem Wissen über Eigenschaften und Ansprüche der ertragreichsten Edelgräser kann man die Futterwiesen gezielt in Richtung beste Qualität und Ertrag trimmen. Letztlich hat jeder Grünlandwirt sicher seien Freude daran, wenn jene gesäten Arten zielgenau heranwachsen, die er mit Mühe gesät hat. Edelgräser und Klee im Überblick Alle Futtergräser haben bestimmte Vorteile wie Nachteile. Auskunft über die wichtigsten Eigenschaften und Ansprüche gibt folgender Überblick. Knaulgras ist das am breitesten einsetzbare und ertragsreichste Edelgras – selbst bis in Lagen von 1000 m Seehöhe. Junge Saaten bilden dabei besonders auffällig extrem lange und breite Blätter in den ersten Jahren nach der Saat. Jung angewachsenes Knaulgras sticht im Bestand immer durch die viltalen, kräftig grünen Blattfarbe besonders leicht in Auge. Der enorme Blattanteil jung gesäter Bestände ist die Energiefabrik dieser Grasart. Wird diese Blattmasse vor dem Erscheinen der verholzten Samentriebe siliert, bringt Knaulgras die höchsten Blattmasse und Energiegehalte. Die sehr breiten und bis zu ½ Meter langen jungen Knaulgrasblätter haben infolge ihrer grosse zusammenhängenden Masse auch kaum Bröckelverluste. Solche Jungpflanzen mit höchster Energiekonzentration gelangen daher nur mit minimalen Futterverlusten bis zum Futterbarren. Knaulgras wächst auf allen Futterwiesen gut, wenn es ausreichend mit Wirtschaftsdünger oder NPK-Dünger und Kalk versorgt wird. Es ist sehr winterhart, dauerhaft und auch bei Trockenheit zuverlässig. Auch bei intensiver und früherer Nutzung ist es rund gut 5 Jahre lang ausdauernd. Sein einziger Nachteil ist die grobe Struktur der rohfaserreichen Stängel nach dem Ährenschieben. Daher ist die Mahd vor dem Ährenschieben wichtig. Rotklee ist die ertragreichste Kleeart der Futterwiesen. Seine Menge ist in Wiesen mit der Saatmenge gut steuerbar und entwickelt sich im Gegensatz zur Luzerneinsaaten höchst zuverlässig. Es stellt wenig Ansprüche an den Boden braucht nur eine mittlere PK-Nährstoffversorgung (60 kgPhosphat und 200 Kali kg/ha/Jahr).

  • Im Gegensatz zum Weißklee ist Rotklee wesentlich ertragreicher und seine Bröckelverluste sind viel geringer. Für Wieseneinsaaten ist ein Anteil von 10-20 % optimal. Zu hohe Anteile sollen aus Schutz vor Kleemüdigkeit nicht angestrebt werden. Bei erstmaliger Einsaaten hat sich 5 kg Rotklee/ha bewährt. Wenn er sich gut entwickelt, kann er bei weiteren Einsaaten weggelassen oder auf 1 kg/ha reduziert werden. Durch seine Pfahlwurzel ist er dem Weißklee und Hornklee in Trockenzeiten ertraglich klar überlegen. Weißklee ist in Wiesen oft genug vorhanden, sodass er nur selten und daher bei Bedarf einzusäen ist. Er ist ein sehr guter Bodenbedecker und Eiweißlieferant. 2013 habe ich entdeckt, dass Weißklee als starker Bodenbedecker die natürliche Kampfpflanze gegen die Gemeine Rispe ist. In schwachen niedrigwüchsigen Beständen breitet er gern zu stark aus. Ab Anteilen von 20% unterdrückt er sogar den Wuchs guter Gräser und mindert damit den Futterertrag. In Vielschnittwiesen (4-7 Schnitte) in warmen Lagen in Niederösterreich wird in letzten Jahren das natürliche Einjährige Raygras oft völlig bestandesbeherrschend. Solche Horstgraswiesen mit ihrem oft offenen Boden sind durch das viele Befahren zusätzlich sehr anfällig für das Eindringen von unerwünschter Gemeine Rispe. Haben aber Einjährige Raygraswiesen eine gute bodennahe Bodenbedeckung mit Weißklee kann keine Gemeine Rispe eindringen. Sind Wiesen mit durch Gemeine Rispe verseucht kann Weißklee leicht als natürliche Kampfpflanze zur Bekämpfung der Gemeine Rispe eingesetzt werden. Das von BUCHGRABER propagierte Herausreissen der Gemeinen Rispe durch Herausstriegeln mit Starkzinken mit Fahrten in kreuz und querer Richtung, wurde aber gar nicht auf dauerhafte Effizienz wissenschaftlich fundiert untersucht. Bedenklich ist dabei gar der dann notwendige Abtransport von massenhaft Sodmassen von leicht über 50 t / ha ist aus meiner Sicht vielmehr kontraproduktiv, weil die Bodenstruktur durch das weiter intensivierte Überfahren weiter zerstört wird und damit den Wuchs von Gemeiner Rispe sogar noch fördert. Fördern wird auch der schon inzwischen stattgefundene riesige Samenausfall von Gemeiner Rispe ihre weitere Ausbreitung und Keimung durch diese intensive Striegel-Bodenbearbeitung. Englisches Raygras ist das energiereichste Wiesengras. Im unserem Klimaraum ist es nur in Dauerweiden infolge seines Betrittbedarfes dauerhaft. Bei der Schnittnutzung verliert es diese ausdauernde Eigenschaft. Englisches Raygras liefert so wie Rotklee nur im ersten Jahr Höchsterträge. Nach 2 Jahren wird der Ertrag bei Englischem Raygras wie bei Rotklee unbedeutend. Wer die hohen Energieerträge von Englischem Raygras dauerhaft ernten will, muss es mindestens alle 1-2 Jahre einsäen. Profis säen es sogar 2-3 Mal im Jahr ein und walzen es nach der Ernte um laufend Spitzenerträge und Topfutterqualitäten für leistungsstarkes Milchvieh parat zu haben. Englisches Raygras ist nur im ersten und letzten Aufwuchs sehr blattreich und rohfaserarm. In den heißen Monaten entwickelt es rasch Ähren mit verholzten, drahtigen, energiearmen Halmen. Raygräser sind zudem sehr verschieden rostanfällig, sodass es empfehlenswert ist, immer mehrere und unterschiedlich anfällige Sorten zu wählen, um der Verrostung vorzubeugen. Gute Erträge bei Raygras wie Knaulgras erfordern langfristig auch eine ausreichende Nährstoffzufuhr mit NPK (ca 100-200 kg N, 50-80 kg Phosphat und 200-300 Kali/ha/Jahr). Die Konsequez dieser Nachteile ist, dass Engl. Raygras unter unseren Verhältnissen entweder nur in mäßigen Anteilen sinnvoll ist oder nur eine intensive jährlich wiederholte Dauereinsaat erfolgreich sein kann. Für Mutterkuhbetriebe ist zu beachten, dass sich Englisches Raygras sich selbst in den recht trockenen Lagen in Ostösterreich in Weiden wesentlich besser als die Wiesenrispe entwickelt. wiesencleververbessern2013-131129070608-phpapp02-reupload.doc 2/6
  • 3. Goldhafer ist ein sehr wertvolles , feinhalmiges und feinblättriges Futtergras, das besonders in Mittelgebirgslagen bei 2-4 Schnitten oft überhand nimmt, weil es durch das raue Klima dort sehr begünstigt wird. Als konkurrenzstarke Art ist Goldhafer in Einsaaten eine ideale Bereicherung der Bestände in Ergänzung zum gröberen Knaulgras. Goldhafer hat aber einen schwerwiegenden Nachteil. Er führt bei dauerhaft zu hohen Anteilen von mehr als etwa 50% (Spannbreite 40-70%) in der Ration zur Calzinose. Calzinose kann infolge überhöhter Vitamin D Gehalte des Grases bis zu Vergiftungen mit Todesfolge führen. In NÖ trat zuletzt bei einem Goldhaferanteil von 70% die nahezu verschwundene tödliche Erkrankung bei Rindern und Schafen 2009 wieder mehrfach auf. Goldhafer ist daher bei Einsaaten jedenfalls wegzulassen, wenn er bereits 10-20% Anteil im Bestand hat! Nutzt man Goldhafer als optimale Ergänzung zum Knaulgras als Einsaat muss man den Goldhaferanteil seiner Wiesen kennen. Weitere Nachteile sind die schlechte Fließfähigkeit in Sägeräten infolge der zarten 3 Grannen je Samen und der hohe Preis mit über 20€/ha. Wiesenrispe ist ein ertragschwaches Untergras mit der Kraft sehr dichte Narben zu bilden. Sie ist extrem trittverträglich wie Weißklee und Englisches Raygras und gedeiht nur wirklich gut in höheren Lagen mit genug Niederschlag. Ihr Schwachpunkt ist der niedrige Ertrag und die extrem langsame Anfangsentwicklung. Deswegen setzt sie sich in den Grünlandgebieten Niederösterreichs mit unter 900 mm Niederschlag bei Einsaaten nicht wirklich durch. Ihre Stärke hat sie aber in Weiden höherer Lagen und eignet sich ideal zur Einsaat offener, stark betretener Weidestellen da sie dort dichte Narben bildet. Timothe ist das spätestreifste Futtergras im nö. Grünland. Seine früher so bedeutende Rolle wie in der Buckligen Welt hat es völlig verloren. Timothe kann wegen seiner extrem späten Samenreife infolge der heute immer früheren Wiesenutzung zwecks hoher Energiegehalte überhaupt nicht mehr aussamen. Nur bei 1- und 2-Schnittwiesen und höheren Lagen wie Almen zeigt es seine Stärke. Timothe hat heute seine Bedeutung nur in extensiven Heuwiesen und auf Almen infolge seiner guten Frostresistenz. Wiesenschwingel ist ein gutes mittelzartes Obergras. Leider ist es so konkurrenzschwach, dass es meist von wüchsigen Arten verdrängt wird. In Einsaaten setzt es sich deshalb kaum durch. Nur bei optimalen Verhältnissen hinsichtlich Klima, Boden und Düngung hat es bessere Chancen zur Entwicklung. Er verlangt eine gute Düngung, warme Lagen, frische und schwere Böden und versagt auf trockenem Sand, sauren Böden und bei Nässe. Rotschwingel und Rotstraußgras wachsen bevorzugt auf sauren, mageren und kaum gedüngten Böden. Rotschwingel ist wegen seiner steifen, harten nadelartigen Blätter schwer mähbar und zudem ertragsschwach. Die zähen Blätter liefern zudem nur geringe Futterqualität. Rotschwingel und Rotstraußgras haben nur in höheren, rauen Lagen eine Bedeutung wo bessere Arten nicht mehr gedeihen. Besonders der Ausläufer-Rotschwingel kann Lücken gut schließen. Rotstraußgras findet man meist nur auf sehr saueren Böden, wo gute Futtergräser kaum mehr gedeihen. wiesencleververbessern2013-131129070608-phpapp02-reupload.doc 3/6
  • 4. Glatthafer ist ein sehr hoch- und massenwüchsiges Obergras. Bestwüchsig ist es in gedüngten warmen hängigen Südlagen der Berggebiete und auch in rauen Lagen. Vom Wuchstyp ist es ein mittelbis feinstängeliges Horstgras mit hochwertiger Futterqualität. Bislang galt es als klassisches Heugras. Beobachtungen seit 2000 zeigen, dass es neuerdings sogar auch 4-Schnittwiesen beständig ist. Es ist kampfkräfig und zeigt bei Ansaat entgegen den meisten Gräsern eine zunehmende Anteilstendenz, was positiv ist. Entgegen bisherigen Lehrmeinungen ist es aber im Fall vom sogar Mutterkuhweiden im Weinviertel bei Ansaat beständig. Glatthafer stellt keine hohen Bodenanforderungen und ist in der Natur häufig auf mageren und trockenen Standorten verbreitet. Glatthafer braucht für gute Erträge ein mittleres Düngungsniveau. Ungeignet sind flachgründige und nasse Böden sowie Beschattung. Zur Auswahl der besten Zuchtsorten sollten die Ergebnisse der österreichischen Zuchtsortenprüfung bei Gräsern und Kleearten intensiv genutzt werden. Informieren Sie sich dazu kostenfrei (!) unter: www.ages.at wiesencleververbessern2013-131129070608-phpapp02-reupload.doc 4/6
  • 5. Kompakter Sortenüberblick aus der österr. Sortenwertprüfung 2009 der besprochenen Arten (Quelle: AGES,2009). Knaulgras Englisches Raygras Goldhafer Timothe Glatthafer Wiesenrispe Wiesenschwingel Auslaeuferrotschwingel Rotes Straussgras Luzerne Rotklee Amba, Ambassador, Baraula, Barexcel, Intensiv, Lidacta, Lidaglo, Tandem Aberavon, Aberdart, Abersilo, Alligator, Aubisque, Barnauta, Calibra, Cavia, Ernesto, Foxtrot, Guru, Heraut, Kimber, Lihersa, Lipresso, Liprovence, Montando, Option, Pimpernel, Prana, Premium, Respect, Sponsor, Telstar, Tivoli, Tornado, Trani, Turandot Gunther, Gusto, Trisett 51 Comer, Kampe II, Licora, Liglory, Lirocco, Lischka, Tiller Arone, Median Adam 1, Balin, Compact, Lato, Limagie, Monopoly, Oxford Cosima , Cosmolit, Darimo, Laura, Leopard, Lifara, Limosa, Pradel, Premil, Stella Condor, Echo, Gondolin Gudrun, Red Mountain Amelia, Alpha, Daphne, Derby, Europe, Franken Neu, Maya, Mercedes, Palava, Planet, Sitel, SW Nexus, Symphonie, Vlasta Amos , Gumpensteiner, Astur, Beskyd, Diplomat, GKT Tetra, Global, Kvarta, Larus, Lemmon, Mercury, Merula, Milvus , Pavo, Reichersberger Neu, Start, Taifun, Tedi, Temara, Tempus, Titus, Vesna, Vulkan, Renova, Vanessa Gute Kenner der Futtergräser können bei der gezielten Wahl ihr Geld für das Saatgut damit viel gezielter und effizienter einsetzen als bei fertigen Wiesensaatgutmischungen. Fertige Wiesensaatgutmischungen mit ihren vielen Arten, haben ihren Nutzen, dass man testen kann, welche Gräser- und Kleearten jeweils auf einem Wiesenboden wirklich spürbar was zum Ertrag beitragen. Voraussetzung ist nur die gesäten Arten im Bestand zu erkennen. Man kann sich dadurch Kosten für das Saatgut von Arten ersparen, die sich nicht durchsetzen. Fertige Wiesensaatgutmischungen mit ihrem breiten Gießkannenprinzip - möglichst viele Arten zu säen damit sie bei möglichst vielen Wiesenstandorten in Österreich einige passende Arten dabei sind – widerspricht dem Prinzip einer standortspezifischen Artenauswahl. Wer daher nur jenes sät was fehlt und Ertrag bringt, hat den Vorteil der Kostenersparnis für Saatgutarten, die nichts bringen und zudem den Ertragsvorsprung infolge standortspezifischer besser wüchsiger Futterarten. wiesencleververbessern2013-131129070608-phpapp02-reupload.doc 5/6
  • 6. Fazit Der Beitrag zeigt dass alle Gräser und Kleearten standortspezifische Vor- und Nachteile haben. Mit der Kenntnis dieser Futterarten hat jeder Grünlandwirt das Steuer in der Hand jene Arten zu wählen und säen, die für jede Futterwiese die geeignetsten Arten sind. Gleichzeitig wird damit das Saatgut so effizient wie möglich eingesetzt. Knaulgras , Englisches Raygras und Rotklee die besten und schnellsten Ertragslieferanten auf Futterwiesen
  • 7. Fazit Der Beitrag zeigt dass alle Gräser und Kleearten standortspezifische Vor- und Nachteile haben. Mit der Kenntnis dieser Futterarten hat jeder Grünlandwirt das Steuer in der Hand jene Arten zu wählen und säen, die für jede Futterwiese die geeignetsten Arten sind. Gleichzeitig wird damit das Saatgut so effizient wie möglich eingesetzt. Knaulgras , Englisches Raygras und Rotklee die besten und schnellsten Ertragslieferanten auf Futterwiesen

Grünlanderneuerungsverfahren

Ein vorläufiger & noch WEITER zu ergänzender Beitrag



Grünlanderneuerungsverfahren zur Lösung von Verunkrautung von Futterwiesen

Starke Verunkrautungen von Wiesen sind nicht mit einer Maßnahme wie eines Herbizideinsatzes allein lösbar. Herbzide können zwar die Unkräuter kurzfristig ausschalten, nicht aber dauerhaft. Um dauerhaft gutes Futter ernten zu können ist, muß alles unternommen werden, dass unsere besten Futtergräser vor allem Freiraum (offener Boden als Wuchsfläche, Licht, Wasser und Nährstoffe) für ein gutes Wachstum zur Verfügung haben. Unsere Hochleistungszuchtgräser können ihre hohe Leistung nur bringen, wenn sie von Unkraut nicht bedrängt werden. Alle Verfahren der Grünlanderneuerung zielen der ab, einerseits den Kulturgräsern Freiraum für beste Wachstumsbedingungen zu schaffen, andererseits die oft stark konkurrenzierenden, unerwünschten Unkräuter zu unterdrücken.

Grünlanderneuerungsverfahren

  • Neuanlage durch Umbruch im Sommer
  • Neuanlage in einem Zug mit dem Rototiller
  • Selektive oder Totalunkrautbekämpfung im Herbst und Ansaat im Frühjahr mit Sämaschine oder Schlitzdrillsaat
  • Dauergrünlanderneuerung mittels Einsaat, Nachsaat oder Übersaat mittels Schlitzdrillsaat, Wiesensaatstriegel oder Egge-Saatkombinationen
  • Natürliches AUSSAMEN von Wiesen, Verbesserung bei niedrigem Mitteleinsatz




Grünlanderneuerungsverfahren 1:
Neuanlage durch Umbruch. 

Die Neuanlage durch Umbruch ist das sicherste Wiesenanlageverfahren von allen. Es ist aber auch das teuerste und mit dem längsten Futterausfall von etwa einem Jahr. Am sinnvollsten ist der Umbruch mit dem Pflug im Sommer mit einer Bodenbearbeitung (Egge) für die Ansaat bis Ende Sommer, weil der Futterausfall in Ertrag wie Qualität dabei am geringsten ist.

Die besten Saattermine für die Sommeranlage von Dauerwiesen in NÖ
500 bis 900 Meter Seehöhe300 bis 500 Meter Seehöhe
bis Mitte August, spätestens Ende Augustbis Ende August, spätestens Mitte September

Wenn erst im Herbst der Umbruch erfolgt ist eventuell eine Bodenbearbeitung einmal mit Egge im Herbst sinnvoll, sonst sobald wie möglich im Frühjahr.

Die Ansaat im Frühjahr 
ist im März bis April je nach Höhenlage durchzuführen, wenn der Boden gut befahrbar ist und die Gräser beim ersten Spitzen ergrünen. In der Regel mit Sämaschine mit Kleinsamenstreuer, Saatstriegel oder per Hand bei Kleinflächen. 

Saat mit Deckfrucht meist sinnvoll
Meist ist die Saat einer Deckfrucht sinnvoll, weil damit die schneller aufwachsenden Unkräuter viel besser unterdrückt werden. Beste Deckfrüchte sind: Hafer bei kargem oder saurem Boden oder Sommergerste, Saatstärke ca 50 bis 70 kg/ha. Mahd der Deckfrucht mit 30 bis 50 cm Wuchshöhe, spätestens jedenfalls vor dem Ährenschieben.

Nutzung der Deckfrucht: 
als Grünfutter oder Anwelksilage. Futter mit sehr hohem Anteil von schnell auflaufendem Unkraut wie Hirtentäschel, etc wird aber meist verschmäht. Dertart verunkrautete Deckfrucht ist mulchen, aber rechtzeitig! Oft wird das leicht übersehen und dann bereut, weil eine solche Wiese noch lange mit dem vielen Unkraut kämpfen muß und nicht wirklich gut gelingt. 

Saatgutmischungen für Wiesenneuanlagen

Wer Futterwiesen das erste Mal neu anlegt, dem wird wirklich am besten geraten, vorerst nur die offiziellen österreichischen Standardmischungen für Dauerwiesen, Daerweiden oder Wechselwiesen zu verwenden. Diese Mischungen gibt es in üblicher EU-Handelsqualität und in höherer ÖAG-Qualität. Die ca 30% teurere ÖAG-Qualität verspricht Ampferfreiheit und die Garantie für besonders für Österreich bewährte, da intensiver geprüfte Zuchtsorten.


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Eine sehr übersichtliche Darstellung aller Standard Handels-Saatgutmischungen für Futterwiesen und Feldfutter für Österreich aus einer Hand (Die Saat) finden Sie unter diesem Weblink HIER

Eine Voransicht dazu: 






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Düngeempfehlungen kurzgefasst


Richtlinien für die sachgerechte Düngung SGD6 einhalten, dazu neuen LK-Düngeplaner 2012 nutzen. Bodenuntersuchung alle 5 bis 10 Jahre für sachgerechte Düngemenge für NPK und Kalk. Kosten nur ca 1 €/Jahr/ha ! Häufiger NPK-Düngebedarf pro Jahr für 3 bis 4 Schnittwiesen je ha: 100 kg N, 70 kg P2O5, 200 kg K2O. Beste Stickstoffwirkung mit 50% Wirtschaftsdünger-N und 50 % Mineraldünger-N. Beste Mineraldünger: Diammonphosphat, wirkt ähnlich wie das altbekannte Thomasphosphat oder NPK-Volldünger.

Grünlanderneuerungsverfahren 2:
Neuanlage in einem Zug mit dem Rototiller.
Mögliche Anlagezeiträume wie bei Anlageverfahren 1.

Der Rototiller ist ein Bodenbearbeitungsgerät, dass statt Frässchaufeln Keilzinken hat. Dadurch ist auf für steinige Böden einsetzbar und es treten die nachteiligen Effekte einer Bedenfräse wie Erosionsgefahr, Vermehrung von Wurzelunkräutern und hoher Energieaufwand viel weniger auf. 

Der größte Vorteil ist, dass Bodenbearbeitung und Saat in einem Zug erledigbar ist und dass der Rototiller auch bei seichten und steinigen Böden gut einsetzbar ist. Vom Typ her ist das Gerät für die Maschinenringarbeit prädestiniert ist, zumal es nicht billig ist. Die Wiesennarbe soll vorher möglichst kurz gemäht werden, damit die Wurzelstöcke gut in den Boden eingearbeitet werden. 

Die Nachteile der Rototillersaat sind, dass bei einem Stopp während der Saat muss das Gerät angehoben werden muß, da sonst Fräsmulden und Erdhaufen im Saatgang entstehen. Außerdem sind etwas mehr Niederschläge als beim Umbruch für den guten Aufgang notwendig sind. Wenn viele Unkräuter im Altbestand sind, kann auch ein Teil wieder durchwachsen. Das Problem könnte mit einem selektiven oder Total-Herbizideinsatz vorher gelöst werden. Da aber dieser Gerätetyp im Ackerbau immer, weniger eingesetzt werden, ist es nicht leicht ein derartiges Gerät zu finden.

Grünlanderneuerungsverfahren 3:
Selektive oder Totalunkrautbekämpfung im Herbst, Ansaat im Frühjahr mit Sämaschine oder Schlitzdrillsaat

Der Vorteil dieses Verfahrens ist, dass relativ leichte und preisgünstige Ausschalten vieler Unkräuter durch Herbizide. Damit wird rasch ein freier Platz ohne Konkurrenz für Saat geschaffen. Je nach Unkrautbesatz kann zwischen selektiven oder Totalunkrautbekämpfungsmitteln gewählt werden. Bei über 50 % Anteil an unerwünschten Arten, wird man zu Totalherbiziden greifen. 

Für Löwenzahn stehen 7 selektive Herbizide für Spitzwegerich 5 selektive Herbizide zur Verfügung, die bei sachgerechter Anwendung eine 100%ige Wirkung (etwa für 3- 5 Jahre) versprechen. Nach der Karenzfrist für die Saat (siehe Beipacktext, meist nach 3 bis 6 Wochen) kann die Saat in den offenen Boden mit allen üblichen Grünlandsägeräten in den schon erwähnten Zeiträumen erfolgen. Bei rasch auflaufenden Unkräutern ist wie üblich ein Reinigungsschnitt notwendig, um das rasche Anwachsen der Saat zu unterstützen.

Die Anwendung von Herbiziden ist im Grünland fast völlig erloschen, weil es seit dem EU-Beitritt 1995 Förderungsprogramme mit Betriebsmittelverzicht attraktiver waren als eine fachlich wirtschaftlich produktive Wiesenbewirtschaftung. Dabei dürfen ohnedies nur vom Staat geprüfte und genehmigte Mittel Anwendung finden. Das Anlageverfahren 3 mit dem Herbizideinsatz ist nach meiner Einschätzung, wirtschaftlich am effizientesten, da der Aufwand für Zeit, Geräte, Energieaufwand und Futterausfall am niedrigsten ist. 

Es hat eine mittlere sichere Anlagesicherheit und einen tolerierbaren Futterausfall ab Sommer bis Herbst, wo ohnedies die schlechteren und geringeren Ernte- und Futterqualitäten anfallen. Der folgende erste Schnitt sollte schon die volle neue Ertragsfähigkeit bringen.

Grünlanderneuerungsverfahren 4:
Dauergrünlanderneuerung mittels Einsaat, Nachsaat oder Übersaat


Saatfertige Nachsaatmischungen im Handel in Österreich

RWA-öag-6Nachsaatmischungen-2011-2013.jpg
Quelle: www.diesaat.at



Dauergrünlanderneuerung bedeutet die Ausbesserung oder Auffrischung von Wiesen und Weiden durch Einsaat, Nachsaat oder Übersaat von Gräser- und Kleearten. Sie erfolgt in der Regel umbruchslos mittels Schlitzsaat, Striegel, Eggen oder mittels Umbruch wie Pflug oder Rototiller.

Einsaat, Nachsaat, Übersaat oder Durchsaat bedeutet das man Wiesensaatgut in eine noch oder teils bestehende Wiesenarbe mit sehr verschiedenen Saattechniken sät, wenn Wiesen entweder von Natur aus oder durch gezielte Unkrautbekämpfung zurecht recht lückig ist oder viel zu wenig Ertrag liefert – trotz guter Bodenverhältnisse. Absicht ist, dass vor allem wieder energiereiche und vor allem ertragreiche Kulturgräser anwachsen und daraus wieder eine leistungsfähige Wiese wird. 

Wasserversorgung - springender Punkt bei Einsaaten 

Die Wasserversorgung ist bei Einsaaten ein springender Punkt für den Erfolg. Von allen Verfahren der Grünlanderneuerung haben Einsaaten nämlich den höchsten Wasserbedarf. Die Altnarbe mit ihrem besseren Wurzelsystem ist nämlich der größte Wasser- wie Nährstoffkonkurrent für die junge Saat. Alle unseren leistungsfähigen Kulturgräser gedeihen nämlich vor allem erst bei besonders reichlichen Niederschlagversorgung ab 800 mm Niederschlag am besten. Daher sind logischerweise die Einsaaterfolge in Gebieten mit über 1000 mm Niederschlag deutlich besser und bei unter 700 mm Regen sind die Erfolgschancen dementsprechend viel schlechter. 

Einmal Einsaaten sind wenig effizient

Meine 30 jährigen Erfahrungen in Niederösterreich zeigen, dass Grünlanderneuerungen mit nur einmaliger Saat eher selten und nur gelegentlich gelingen. Alle meine Befragungen von Landwirten bei Beratungen, Wiesenbegehungen und Vorträgen in Niederösterreich ergaben dieses Erfolgsbild: die sichtbaren Erfolge von Einsaat, Nachsaat oder Übersaat ergeben liegen etwa bei nur 50 % für die einzelne Saat, egal mit welcher Sätechnik das erfolgt. Das Verfahren einer einmaligen Einsaat ist daher recht unsicher. Wenn nach 3 Jahren keine spürbare Ertragsverbesserung eingetreten ist, kann man sicher sein, dass die Einsaat sicher ohne Erfolg war.

Am ehesten werden Wiesen in der Praxis derzeit erst meist in einem Abstand von 3 bis 5 Jahren eingesät. Damit sieht man, dass viele noch ein hohes ungenutztes Potential für bessere Futterwiesen haben. Erst die deutlich höhere Einsaatfrequenz bringt den wirklichen Futterschub.

Erst die deutlich höhere Einsaatfrequenz bringt den wirklichen Futterschub 

Erst bei einer jährlichen Einsaat drei Jahren hintereinander erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass Einsaaten den gewünschten ertraglichen Erfolg bringen. Wenn Grünlandbauern den Umgang und Nutzen wiederholter Einsaaten erkannt haben sind, können sie das wirklich ungenutzte enorme Ertragspotential vieler Wiesen erst ausschöpfen. Nach eigener Einschätzung könnte so die Ertragsleistung von Futterwiesen leicht um 50%, aber sogar bis 100% verbessert werden. Beweis: Versuche zeige, dass die Erträge bei Wiesenneuanlagen und bei Feldfutter in Österreich etwa bei 12 t TM/ha liegen. 12 t TM/ha ist also eine bekannte und erreichbare Ertragsmarke. Tatsächlich liegt im Grünland der Ertrag laut statistischer Ernteerhebung in etwa nur 6 t TM/ha und auch Versuche Wiesenneuanlagen nach 25 Jahren zeigen etwa nur mehr 6 t TM/ha, infolge Ausdünnung wichtiger Futtergräser. Somit sollte je nach den hier 4 dargestellten Verfahren zur Wiesenverbesserung die Ertragsleistung von Futterwiesen grob um 50% verbesserbar sein. Wenn man die Ertragsleistung von Wiesenneuanlagen heranzieht, könnten sogar 100% höhere Erträge erreichbar sein, wenn man die Wiesen wieder immer mit frischen Saatgut auffrischt. 

Leistungssteigerung nur mit Spitzengenetik bei Zuchstsorten und Zuchttier

Die Erfolge von Wiesenverbesserungen mit gezüchtetem Wiesensaatgut kann man mit Stellenwert der dem Einsatz der Zuchttierauswahl mit bester Tiergenetik vergleichen. Die durchschnittliche Milchkuhleistung liegt bei uns etwa bei 5000 Liter/ Milch je Jahr. Wer aber versteht Spitzengenetik in der Milchviehhaltung richtig einzusetzen erreicht bereits heute über 10.000 Liter/ Milch je Jahr. Der Abstand durch Einsatz laufenden Zuchtfortschritts beträgt also auch hier 100%.

Einsaaten in Wiesenaltnarben - Provisorium und Kompromiss

Einsaaten in bestehende Wiesen sind deshalb ein Provisorium oder Kompromiss, weil alle bisherigen Techniken keine zuverlässliche Saatgutablage haben. Es fehlt einfach das ordentlich vorbereitete Saatbett, wie man es im Ackerbau hat. Somit ist kein zuverlässlicher Samenaufgang in 1 bis 2 Wochen gewährleistet, so wie man das bei einer klassischen Wiesenneuanlage mit Umbruch, Bodenvorbereitung und präziser Saatablage kennt. Einsaaten, mit ihrer trotzdem geringen Effizienz werden aber von vielen Grünlandbauern, vor allem in den Bergregionen bevorzugt. Erklärbar ist das, weil die klassische Bodenbearbeitung für eine Neuanlage in den bergigen Lagen mit den heutigen immer schwerer gewordenen Bodenbearbeitungsgeräten in dem oft recht hängigen und steinigen Gelände gar nicht möglich ist. Viele dieser etwas besseren Böden im Bergland wurden zwar bis in die etwa 1960 mit zwar als Acker genutzt. Aber man konnte mit Pferdegespann ohendies nur seicht (10 – 12 cm) pflügen, eggen und säen. Für hängiges Gelänge gibt es heute nämlich keine handlichen geländegängigen traktorgezogenen Bodenbearbeitungsgeräte, mit denen man eine seichte Bodenbearbeitung der oft steinreichen und seichten Böden durchführen könnte.

Offener Boden - Voraussetzung für gute Einsaatwirkungen 

Voraussetzung für eine gute Einsaatwirkung ist ein ausreichend offener Boden, wo die Samen Platz zum Keimen und Wachsen können. Erst wenn die jungen Grassämlinge genug Licht haben, kommt es zum Wachstumsschub. Ist aber die Saatfläche noch mit vielen Graswurzelstöcken der alten Wiese bewachsen, verbrauchen die alten sowohl das meiste Licht und Bodenwasser. Und den zarten jungen Gräsertrieben fehlt es an Licht wie Wasser. Je nachdem wie viele alte Graswurzelstöcke die junge Saat bedrängen, wird sie sich gut oder gar nicht entwickeln. Damit erklärt sich der oft geringe Einsaaterfolg bei Grünlanderneuerungen mittels Einssaten. 
Je öfter Wiesen eingesät werden, umso eher fällt der Samen auf offenen Boden und kann keimen. Mit der geduldig wiederholten Saat baut sich außerdem ein gewisses Samenpotential gesäter und noch ungekeimter Samen im Boden auf. Der Boden fungiert wie eine Samenbank, ähnlich wie es bei allen Samenunkräutern der Fall ist. Man denke allein an die riesige Samenbank die der Ampfer in vielen Wiesenböden hat. Wenn günstige Keim- und Wachstumsbedingungen herrschen, wenn also der Boden offen und genug feucht ist, besteht die Chance, dass ein Teil der ungekeimten Gräsersamen auch noch Monate bis Jahre nach der Saat keimen, so wie viele Kräutersamen. Deshalb hat die regelmäßig Saat eine hohe Bedeutung, weil in der Regel bei bewachsenen Wiesen mit einer einzigen Saat selten ein guter Aufgang gelingt.

Die richtigen Einsaatzeitpunkte

Am ehesten sind in Niederösterreich Einsaaten im Sommer am erfolgversprechendsten. Aber es gibt Ausnahmen. In der Regel ist der Sommer die niederschlagreichste Jahreszeit in Österreich und der Futternachwuchs der Altnarbe ist nicht so stark wie im Frühjahr. 
Das Frühjahr ist für Einsaaten dann besser und sinnvoller, ja sogar dringend notwendig notwendig, wenn größere Flecken im Frühjahr offenen Boden haben. Beispiele sind dafür: selektive Unkrautbekämpfung im Herbst von Ampfer, Hahnenfuß, Spitzwegerich, Bärenklau oder Löwenzahn oder Engerlingsbefall, Wildschäden oder partielle Auswinterung.

Dauergrünlanderneuerung bei ÖPUL Teilnahme

Wird eine Grünlanderneuerung im ÖPUL durchgeführt, sollte im Vorhinein eine Meldung an die AMA mittels dem Formular „Meldung – Grünlandumbruch und Grünlanderneuerung“ erfolgen. Bei den Maßnahmen „Mahd von Steilflächen“ und „Regionalprojekt für Grundwasserschutz und Grünlanderhaltung“ muss eine eventuelle Erneuerung gemäß den Förderungsvoraussetzungen umbruchslos erfolgen. Nach einer Erneuerung sind die Flächen wiederum mit der Nutzungsart G und den entsprechenden Kulturarten im MFA zu beantragen.


Die leistungsfähigsten Nachsaatmischungen für Niederösterreich

Seit 2013 NEU konfiguriert mit Glatthafer :
EMI2013-ertragsmischungen-2013-emi.jpg




HUMER EMI-Mischerungen bis 2012:

EMI2012alle-humer.jpg






Grünlanderneuerungsverfahren 5:
Natürliches AUSSAMEN von Wiesen, Verbesserung bei niedrigem Mitteleinsatz

Eine Möglichkeit damit verkrautete Wiesen wieder zu ihrem notwendigen Gerüst an Futtergräser kommen, ist das natürliche Aussamen der Wiesen. Die wenigen Erfahrungen, die bislang vorliegen sind eher ermutigend und Hoffnung gebend. Interessanterweise vermehren sich dabei weniger die Problemkräuter sondern vielmehr unsere wichtigen und ertragreichen Obergräser. Dazu muss eine Wiese bis Anfang Juli ungemäht bleiben. Damit nicht der Bestand schon vorher zusammen bricht ist nur eine sehr mäßige Düngung sinnvoll. Zwischen 20 bis 40 kg N/ha sollte nicht überschritten werden. Empfehlenswert ist es mit einem Streifen am Wiesenrand zu beginnen, oder einer kleineren Fläche.

Man hat zwar nicht den vollen Leistungseffekt von Zuchtgräsern, dafür hält sich der Aufwand mit der Flächen und der Futterausfall aus dem ersten Schnitt in Grenzen, da vor allem keine Technik für die Unkrautbekämpfung oder Saat notwendig ist. Sinnvoll ist das Verfahren vor allem für Betriebe, die nicht unbedingt Spitzenerträge anstreben, aber dennoch eine Verbesserung ihrer Futtererträge und -Qualitäten erreichen wollen, wenn auch auf einem niedrigerem Investitionsniveau teilhaben wollen.

Literatur:

Alternative Grünlanderneuerung mittels Selbstversamung

Grassamen in das Grünland einbringen, DTL

ÜBERSAATMISCHUNGEN in Tirol, ENDBERICHT

Samstag, 30. Juni 2018

Jakobskreuzkraut ruiniert Wiesen Vieh und Honig

Stand: 4. September 2017

Vom Futterwiesenexperten HUMER mit 14 Jahren Erfahrung mit Kreuzkräutern auf Grünland

Zur Gefahr der Massenausbreitung von giftigem Jakobskreuzkraut auf Wiesen
Warum Jakobskreuzkraut Wiesen, Vieh, Milchwirtschaft und Imkerei schädigt
Jakobskreuzkraut – Gefährliche Massenausbreitung erkennen und eindämmen 
Jakobskreuzkraut – Gefährliche Massenverunkrautung nicht zulassen


Jakobskreuzkraut gefährdet Wiesen, Vieh, Milchwirtschaft und Imkerei

Das Jakobskreuzkraut (Senecio jacobae) wurde in letzten Jahren zum gefährlichsten Unkraut im extensivem Grünland. Die lange und schwere Dürre von Mai bis August 2017 begünstigte die Ausbreitung dieser Giftpflanze in Niederösterreich. Im Juli schoss das Jakobskreuzkraut trotz größter Trockenheit mit besenbuschigem, goldgelbem Blütenflor - oft unbemerkt - meterhoch auf ungemähten Rainen und Wegrändern.
In Deutschland überwuchert das Jakobskreuzkraut Wiesen bereits in einem nie erwarteten Ausmaß (Pfeil, 2017). Ökologisch motivierte Bekämpfungsverbote verhindern die Eindämmung mit effektiv wirksamen Mitteln. Die massenhafte Ausbreitung der goldgelben Giftpflanze ist eine Bedrohung für das Wirtschaftsgrünland. Ausgangspunkte sind vernachlässigte Weiden, Pferdekoppeln, Brachflächen, Straßenböschungen und verwildernde Naturschutzwiesen. In Österreich breitet sich das Wasserkreuzkraut und Alpenkreuzkraut zunehmend aus. Erst mit der eindeutigen Identifizierung der Kreuzkräuter ist die gefährliche Ausbreitung zu erkennen. So können künftig Futtervergiftungen, Tierverluste und Leistungseinbußen vermieden werden.

Gefahr für Wiesen, Vieh und Imkerei
Alle drei genannten Kreuzkrautarten sind heimisch vorkommende Arten und verbreiten sich zunehmend invasiv. Keine andere Pflanzenart hat ein so großes Gefährdungspotential wie Jakobskreuzkraut, weil es Wiesen, Vieh, Milchwirtschaft und Imkerei bedroht. In Österreich und auch in dem Nachbarländern waren bis vor wenigen Jahren Kreuzkräuter in Futterwiesen bedeutungslos. Seit der Umsetzung von biodiversitätsfördernden Extensivierungsprogrammen kommt es zu einer auffälligen Zunahme von Kreuzkrautarten sowie einiger anderer Giftpflanzen. Bevor sich das Jakobskreuzkraut auch in Österreich noch stärker ausbreitet, soll dieser Beitrag die Ausbreitungsgefahren aufzeigen und über Eindämmungsmöglichkeiten informieren.

Die hohe Giftigkeit aller Kreuzkrautarten
Alle Kreuzkrautarten sind hochgradig giftig und für Mensch und Tier lebensbedrohend. Von Jakobskreuzkraut sind tödliche Vergiftungen von Weidevieh aus Deutschland, England, Kalifornien und Tasmanien bekannt. Auch In Niederösterreich und Vorarlberg verendeten bereits Rinder, Pferde und Schafe durch Wasserkreuzkraut und Alpenkreuzkraut (Gerhold, 2000). Auch bei Wildtieren sind tödliche Jakobskreuzkrautvergiftungen bekannt. Das Auftreten tödlicher Vergiftungen durch Kreuzkräuter ist unwiderlegbar, sie wird aber von Naturschützern als zu duldende Gegebenheit verharmlost. Zunächst ist es wichtig, dass Landwirte die giftigen Kreuzkräuter von anderen harmlosen gelbblühenden Wiesenpflanzen klar unterscheiden können.

PA-Toxine verursachen Seneziose
Bei allen Kreuzkräutern geht die tödliche Gefahr von mehreren, stark leberschädigenden Toxinen aus (Pyrrolizidinalkaloide, kurz: PA). Die komplexen Abläufe bei der Erkrankung erschweren das Erkennen von Kreuzkraut-Vergiftungen. Dazu kommen mentale Hürden in der Aufklärung bei Vergiftungen. Alle Pflanzenteile der Kreuzkräuter sind giftig. Die Blüten haben die höchsten PA-Gehalte. Vergiftungsursache ist die Überforderung der Leber bei der Entgiftung. Erst im Stadium schweren Leberversagens werden Vergiftungssymptome sichtbar. In diesem Stadium ist es für eine Behandlung bereits zu spät und die Tiere sterben. Landwirte in Niederösterreich und Vorarlberg beschreiben, dass der Tod der Tiere in wenigen Tagen eintritt oder es kommt zum wochenlangen Dahinsiechen. Verantwortlich in allen tödlichen Vergiftungen war in Niederösterreich die Alleinfütterung von Wiesenfutter mit hohem Kreuzkrautanteil. Die Diagnose wird durch unterschiedliche Symptome erschwert. Nach dem Fressen von Kreuzkräutern können Vergiftungserscheinungen aber noch nach drei Monaten auftreten. Verendet Vieh in Gebieten mit Vorkommen von Kreuzkräutern unerklärlich, muss eine Vergiftung mit Kreuzkraut in Betracht gezogen werden. Die Erkrankung tritt bei Rind, Pferd, Schwein, Geflügel stark und bei Schafen und Ziegen abgeschwächt auf, sie wird als Seneciose oder Schweinsberger Krankheit bezeichnet.

Die vielfältigen Symptome von Kreuzkraut-Vergiftungen
Festliegen, Appetitlosigkeit, Milchleistungsabfall, überfüllter Pansen durch gelähmte Pansenmotorik, struppiges Fell, Trägheit, Krämpfe, Konditionsverlust, Abmagerung, Müdigkeit, Apathie, Gangstörung, zielloses Umherwandern, Orientierungsstörung und dadurch gehäufter Absturz auf Almen, blutiger Durchfall, Verwerfen, Lichtempfindlichkeit und Neigung zu Sonnenbränden.

Auswirkungen auf die Milchwirtschaft
Problematisch ist auch der Übertritt von PA-Toxinen in die Milch (Jungmann, 2014), die aus Heu oder Silagen als Alleinfutter von stark verseuchten Kreuzkrautwiesen produziert wird. Schwierig zu diagnostizierende Vergiftungssymptome durch Milchvergiftungen wurden bei Almpersonal infolge beweidetem Alpenkreuzkraut bekannt (Gerhold, 2000). Die massive Kreuzkrautausbreitung hat unabsehbare Auswirkungen auf Mensch und Milchwirtschaft. Es sind vor allem die extensiv und schwierig bewirtschafteten Grünlandregionen betroffen. Die Verhinderung der Ausbreitung aller Wiesen-Kreuzkräuter, darf nicht nur ein agrarwirtschaftliches Anliegen, sondern muss auch ein volkwirtschaftliches sein.

Wird Kreuzkraut gefressen oder gemieden?
In Silagen und Heu steckt das größte Risiko für Vergiftungen, weil die Tiere bei konserviertem Futter nur eine verminderte Möglichkeit zur Futterselektion haben. Im grünen Zustand meiden die Tiere Kreuzkräuter wegen des bitteren Geschmackes, aber bei Heu und Silage geht die Fresshemmung verloren, nicht aber die giftigen Inhaltsstoffe. Faktum ist, dass mehrere tödliche Rindervergiftungen bei Verfütterung von Ballensilagen und Heu von stark mit Wasserkreuzkraut befallenen Wiesen auftraten. Zu tödlichen Pferdevergiftungen kam es im Dürrejahr 2003 durch extrem kurzrasige Beweidung der bodennahen Kreuzkrautrosetten als Folge großen Wiesenfuttermangels. Mit eigenen Augen habe ich weidende Kühe beobachtet, die ein Kleegrasfeld samt Wasserkreuzkraut ohne Selektion abweideten. Auch Jungrinder auf Weiden fressen die höchst giftigen Blütenstände von Jakobskreuzkraut. Wird ausreichend zugefüttert, fressen Pferde auf Weiden kein Jakobskreuzkraut.

Jakobskreuzkraut-Standorte
Es wächst auf sonnig warmen, trockenen, ungedüngten Standorten, wo sich der Boden leicht erwärmt und auch andere wärmeliebende Arten wie Glatthafer und Labkräuter auftreten. Als Verwilderungszeiger gedeiht es meist auf gestörten Sand- aber auch auf Lehmböden und in allen Niederschlagslagen zwischen 500 bis 2000 mm. Jakobskreuzkraut entwickelte 2017 im Waldviertel dichte und wüchsige Bestände mit über einem Meter Höhe auf steilen meist nur schwierig zu mähenden Böschungen neben Strassen, Feld- und Wiesenwegen sowie am Rand von Pferdekoppeln. Auch im Alpenvorland und in der Buckeligen Welt wächst es vereinzelt auf zertretenen Hutweiden. Alle angeführten Jakobskreuzkraut-Standorte in NÖ werden wegen ihrer schwierigen örtlichen Unzugänglichkeit und Unproduktivität nicht gedüngt und immer weniger gemäht, dies begünstigt diese gefährliche Ruderalpflanze. Jakobskreuzkraut breitet sich selbst auf Pferdekoppeln im trockenen, grünlandarmen Marchfeld in Massen aus. Dies zeigt, dass es selbst auf grünlandfernen, warmen Ackerbaustandorten auftreten kann. Jakobskreuzkraut ist eine Ruderalpflanze, da es auch in Industriebrachen auf kärglichen Boden zur Massenausbreitung und Verwilderung neigt. Auf gemähten Straßenböschungen ist Jakobskreuzkraut nur halb so wüchsig und bildet viel weniger Blüten. Mähen mindert die Vitalität, dies soll gegen die weitere Ausbreitung genutzt werden. Bodengestörte, ungemähte, ungedüngte, sonnige Säume von Wegen, Feldern, Wiesen, Wäldern, Pferdekoppeln und Christbaumkulturen bilden die Ausgangspunkte zur Ausbreitung auf extensivem Grünland. Die etwa hundertausend flugfähigen Samen einer einzigen Pflanze werden in der Umgebung von hundert Metern zerstreut. Auf brachen, mageren, lückigen und wenig gemähten Wiesen haben sie die besten Voraussetzungen zur Ausbreitung.

Gefahr für Pferdekoppeln und Standweiden
Trockene, lückige, magere Standweiden ohne Weidepflege mit Verwilderung aussämender Unkräuter weisen das größte Risiko einer Massenausbreitung mit Jakobskreuzkraut auf. Finden Tiere genug gutes Futter, ist Jakobskreuzkraut als Weidefutter nicht attraktiv. Bei Futterknappheit ist immer zu rechnen, dass Jakobskreuzkraut auch als Notfutter gefressen wird. Ohne ordnungsgemäße Nachmahd der Weidereste können durch die Futterselektion der Tiere immer mehr Jakobskreuzkrautpflanzen zur Blüte kommen und ausreifen. Ungepflegte Weiden fördern die Biodiversität – sie ist aber futterschädlich besonders durch die Ausbreitung von Jakobskreuzkraut und anderen Unkräuter.
Die zunehmende Flächenverseuchung von Jakobskreuzkraut in Pferdeweiden und Koppeln ist höchst alarmierend. Die dauernden Verletzungen der Grasnarbe mit Bodenöffnung infolge scharfen Huftritts bei Fluchtreaktionen der Pferde bieten dem Jakobskreuzkraut fortwährend Möglichkeiten zum Keimen und sich auszubreiten. Wird die Verunkrautung von Jakobskreuzkraut auf Weiden und Koppeln nicht erkannt und entfernt, wird auch das angrenzendes Wirtschaftsgrünland gefährdet.

Ursachen der Massenausbreitung
Der rote Faden für das invasive Massenauftretens von Jakobskreuzkraut ist nach vielen Quellen die Extensivierung von Grünland. Verstärkt wird die massive Verbreitung durch das Zusammenwirken weiterer Begleitumstände. Am Anfang der Massenausbreitung steht immer die Verringerung der langjährig bewährten sorgfältigen Grünlandbewirtschaftung. Die EU-weiten Cross-Compliance-Verpflichtungen mit landesweiten Dünge-, Umbruch- und Unkrautbekämpfungsverboten und Nutzungseinschränkungen auf Grünland und Acker begünstigen die Ansiedelung von Jakobskreuzkraut im höchst möglichen Flächenausmaß. Diese naturschutzfachlich gewollte Biodiversitätsförderung verursacht bei bestimmten, zumeist extensiven Wiesen die Rückkehr von vielen, schon lang vergessen geglaubten Giftpflanzen. Dazu zählen alle Kreuzkrautarten, besonders das Jakobskreuzkraut mit seiner Ruderal-Strategie: Verdrängung anderer Arten durch Rosettenbildung mit Nährstoffspeicherung, schnelles Wachstum, hohe Samenproduktion, rasche und frühe Samenreife, Störungstoleranz. Giftpflanzen und gefährliche Unkräuter sind für eine nachhaltige und zukunftsorientierte Landwirtschaft unakzeptabel, denn sie gefährden die Existenz von Grünlandbetrieben. Trotz Naturliebhaberei will niemand vergiftete Produkte!

Die Jakobkreuzkraut fördernden Faktoren
Treffen folgende Faktoren zusammen, wird Jakobskreuzkraut zum Massenunkraut auf Wiesen:
1.
Eine verminderte Wiesennutzung und Düngereduktion verursacht zunächst das allmähliche Aushungern und Absterben hochwertiger Futtergräser wie Raygras und Knaulgras. Je größer und abrupter die Nährstoffreduktion ist, desto schneller sterben die wertvollen Futtergräser ab und in der Wiesennarbe entstehen lückige Ruderalstellen (SUTER et al, 2010).
2.
In diesen Lücken breiten sich die nährstoffzwischenspeichernden Rosettenstadien von Kreuzkraut aus. So überwindet Kreuzkraut die Nährstoffarmut und Trockenheit der Standorte. Auch symbiotische Mykorrhiza-Pilze unterstützen Kreuzkräuter in nährstoffarmen Böden. Fördernd für das gute Wachstum von Jakobskreuzkraut wirkt eine vernächlässigte oder zu geringe Nutzung durch Mahd oder Weide. Auf diese Weise gelangt es leicht zur Samenreife.
3.
Bei der verpflichtenden Grünlandextensivierung samt Brachflächen und verwildernden Naturschutzwiesen haben Kreuzkräuter die besten Voraussetzungen zur landesweiten Ausbreitung erhalten.
4.
Die verminderte Bewirtschaftung und Erntearbeiten auf Extensivierungsflächen führt dazu, dass grabende Schädlinge wie Engerlinge, Ameisen, Mäuse, Maulwurf und Wildschweine zusätzlich die Grasnarbe vernichten. Das verschafft den Kreuzkräutern zusätzliche Keimreize sich anzusiedeln und kräftige Pflanzen mit starker Samenbildung zu bilden.
5.
Der durch den Klimawandel bedingte Temperaturanstieg begünstigt ganz besonders das wärmeliebende Jakobskreuzkraut und schwächt die nährstoff- und wasserbedürftigen Futtergräser.
6.
Die Verdrängung der existenzsichdernden Viehwirtschaft aus extensiven Grünlandgebieten bei gleichzeitiger Zunahme von Pferdebetrieben mit Weiden und Koppeln ohne Unkrautkontrolle und Düngung bietet Kreuzkräutern günstige Voraussetzungen zur Ausbreitung. Pferdewiesen werden aus Naturliebhaberei kaum gedüngt. Die schon vorhandene Nährstoffarmut dieser Böden, die Narbenverletzungen durch den Huftritt, hohe Pferdebesatzstärken und das Nicht-Erkennen der Gefahr von Jakobskreuzkraut wirken beschleunigend für die Ausbreitung.
7.
Derzeit besteht die Gefahr, dass Jakobskreuzkraut und Wasserkreuzkaut durch Massenpräsenz in Wirtschaftsgrünland eindringt. Damit werden großflächig Grünlandgebiete gefährdet und entwertet. Massiver Unkrautbefall durch bestimmte Dünge- und Bekämpfungsverbote entwerten Futterwiesen und Almen. Wildpflanzen sind oft Giftpflanzen und entwerten das Futter für die Veredelungswirtschaft. Nutzlos gewordene Wiesen führen zum Wertschöpfungsverlust und in der Folge zur Aufgabe der Tierhaltung und beschleunigen die Verwaldung und Abwanderung.

Giftpflanzen-Eindämmung mit Mahd und Chemie
Vor einer Bekämpfung ist zu klären, ob im Pflanzenbestand eindeutig Kreuzkräuter vorliegen. In Österreich wächst Jakobskreuzkraut auf Straßenböschungen, Pferdekoppeln, Hutweiden, Weg-, Wald- und Wiesenrändern. In Österreich bilden Wasserkreuzkraut im Waldviertel und Alpenkreuzkraut - oft unerkannt- sich gefährlich ausbreitende Massenbestände. Mit regulären Mitteln sie nicht mehr eindämmbar, da sie Bekämpfungsverboten infolge Bewirtschaftungseinschränkungen unterliegen. Das Jakobskreuzkraut kann bei geringem Besatz anfangs noch mit mehrmaliger Mahd und höhere Düngung zurückgedrängt werden. Bei Wasserkreuzkraut zeigt die häufigere Mahd dagegen keine eindämmende Wirkung. Bereits die N-Düngung um 100 kg N/ha wirkt hemmend für die Ansiedelung und Ausbreitung (SUTER und LÜSCHER, 2007). Der beste und einfachste Schutz bei noch geringer Ausbreitung von Jakobskreuzkraut ist die mindestens dreimalige und nicht zu späte erste Wiesenmahd, spätestens knapp vor der ersten Blütenbildung im Juni/Juli. Auch Straßenränder mit Jakobskreuzkraut sind mehrmals im Jahr zu mähen. Hat sich Jakobskreuzkraut bereits stark ausgebreitet, hilft die mehrmalige Mahd nicht mehr. Es bildet dann zwar keine oder nur kleine Blütenstängel, es überlebt aber jahrelang unbemerkt als bodennahe Blattrosette. Einen optimalen Schnittzeitpunkt gibt es nicht. Der Schnitt muss so früh genug erfolgen, damit die volle Blütenbildung und jegliches Aussamen unterbunden wird. Das schwächt aber die Pflanze dennoch zu wenig, weil sie dann neue kleinwüchsige Blütentriebe bis in den Herbst treibt. Ein verspäteter Schnitt mitten in der Blütezeit mindert die Samenbildung nicht, da die Samen bis zu 80 % nachreifen und keimfähig sind.
Händisches Ausstechen oder Ausreißen stark befallener Flächen ist zu mühsam, ja sogar kontraproduktiv. Es können nie alle Wurzeltriebe erfasst werden und ein aufgerissener Boden verursacht den Aufgang von früher ausgefallenem Samen. Nur die sofortige Nachsaat von Futtergräsern im Bereich der Bodenverletzung vermindert den neuerlichen Aufgang von Jakobskreuzkraut. Ausgerissenes, blühendes Jakobskreuzkraut verursacht zudem ein Entsorgungsproblem. Wegen der Gefahr der Samennachreifung und zusätzlichen Verschleppung der Samen können diese Problemmassen nirgends sicher gelagert werden.
Eine chemische Bekämpfung ist mit „Simplex“ in allen Rosettenstadien möglich. Simplex ist gut wirksam und schadet den Gräsern nicht. Wegen der Nachwirkung sind alle Auflagen sorgfältig zu beachten. Die Spritzung wirkt nur auf benetzte Pflanzen gut. Es werden zu einem Zeitpunkt aber nie alle Pflanzen erreicht. Ein nachfolgender Wiesenumbruch samt Neuanlage - sofern erlaubt und möglich – verbessert erfahrungsgemäß die Flächenwirkung, ist aber auch nicht vollkommen wirksam. Neue Jungpflanzen können nachfolgen, diese sind aber durch Ausreißen oder Punktbekämpfung mit Nachsaat beherrschbar. Bei Teilnahme an Umweltprogrammen sind die Auflagen zu berücksichtigen, die aber großteils die Eindämmung behindern oder verbieten und damit die Ausbreitung begünstigen. Nach Erfahrungen in Deutschland sind Einzelmaßnahmen in der Bekämpfung wirkungslos, weil nie alle Individuen erfasst werden (Gehring, 2012). In Neuseeland, Oregon und Kalifornien, wo tausende Hektar vollflächig mit Jakobskreuzkraut befallen waren, konnten sie nur mehr biologisch mit speziellen Insektenarten bekämpft werden (Frick, 1970).
Für eine dauerhafte Zurückdrängung und Vorbeugung müssen vorerst Bedingungen hergestellt werden, welche die Ausbreitung hemmen. Solange zu spät gemäht wird, im Boden ein Nährstoffmangel herrscht und lückige Narben vegetationslos bleiben wird das Jakobskreuzkraut durch den Samenvorrat im Boden die bereits bekämpften Flächen in Kürze wieder besiedeln. Die beste Vorbeugung ist daher die Etablierung dichter Wiesennarben mit an den Standort angepassten Futtergräsern und regelmäßige Ausbesserungssaaten, wenn Lücken auftreten. Kenntnisse und Ansprüche von standortsngepassten Futtergräsern sind dazu notwendig. Bei extensivierten, ertragsarmen Wiesen lohnt sich der Aufwand für die Wiesenregenration mit hochwertigen Futtergräsern nicht. Folgedessen droht dort die Gefahr der Rückkehr und Ausbreitung durch futterschädigende Arten wie KlappertopfDorniger Hauhechel, Farne, Herbstzeitlose und Hahnenfußarten. Das entwertet diese Wiesen, weil das anfallende Futter unbrauchbar und auch nicht verkehrsfähig ist.

Hohe Verwechslungsgefahr mit ähnlichen Pflanzen
Wenn Kreuzkräuter nicht eindeutig erkannt werden, besteht eine Gefährdung wegen Verwechslung mit ähnlich aussehenden Arten. Es gibt mehrere Pflanzenarten, die in Wuchs, bei den Blättern und in der Blütenfarbe dem Jakobskreuzkraut ähneln. Auch Menschen sind gefährdet, wenn beim Kräutersammeln Jakobskreuzkraut mit der ähnlich farbigen Arnika verwechselt und Tee daraus gemacht wird. Problematisch ist, da beide Arten auf derselben Wiese wegen der ähnlichen Standortansprüche nebeneinander wachsen können. Auch der oft am Wegesrand blühende Rainfarn sowie die Färberkamille weist eine große Ähnlichkeit mit Jakobskreuzkraut auf. Im Waldviertel wachsen beide Arten in nächster Nähe. Auch die anspruchslosen und wärmeliebenden Arten wie Wiesenpippau, Wiesen-Bocksbart, Johanniskraut und Habichtskräuter ähneln teils in Höhe, Form und den Standortansprüchen dem Jakobskreuzkraut. Alle diese Arten sind Magerkeitszeiger und wachsen auf wenig oder nicht gedüngtem Grünland.

Erkennungsmerkmale: Rosetten, Stängel und Blüten
Eine sichere und eindeutige Identifizierung von Kreuzkraut ist ohne Einschulung schwierig. Jakobskreuzkraut bildet im ersten Jahr nur bodennahe Blattrosetten mit spitzen, distelartig zerfurcht gefiederten arttypischen Rosettenblättern. Das typische „Rosettenbild“ im Kopf ermöglicht die Kreuzkräuter auch im blütenlosen Zustand schnell zu identifizieren. Auch die kamillenartige Fiederung der Blätter zur Blütezeit ist typisch; sie verkümmern nach obenhin stark. Die Stängel haben zur Blütezeit einen typisch schwärzlich roten Farbton. Die wunderschön, ästhetischen 15-20 mm großen, satt goldgelben Blüten bilden meist 13 Zungenblüten und etwa 80 Röhrenblüten in aufrechten Doldentrauben. Blütezeit ist Juni bis August, bei abgemähten Pflanzen dauert sie bis in den Oktober. Die Hauptblütezeit, um den Jakobitag am 25. Juli, gab der Pflanze den Namen. Die Pflanze blüht erst ab dem zweiten Vegetationsjahr und dauert mehrere Jahre aus. Bei Unsicherheit in der Pflanzenbestimmung ist es erforderlich, einen Experten oder Pflanzenkundigen heranzuziehen. Die schnellste Art problematische Kreuzkräuter in Wiesen zu identifizieren, ist sich die Pflanzen mit fünf guten Handyfotos von Blüten, Blättern und Rosetten samt Umgebung per E-Mail von einem Grünlandexperten identifizieren zu lassen. Mit Zusatzinformationen über Standort, Bodennutzung und Düngung bekommen Sie Informationen und Erfahrungen zur Eindämmung. Inzwischen stehen wegen dem Massenauftreten bereits zahlreiche Informationen zur Identifizierung, Giftigkeit, Standortbedingungen und Zurückdrängung im Internet zur Verfügung.

Kreuzkrauttoxine auch im Honig
Imker aus Norddeutschland berichten, dass innerhalb weniger Jahre das Jakobskreuzkraut überraschend die Massentrachtpflanze auf ihren Trachtplätzen in der Nähe von Naturschutzwiesen und Brachen wurde. Das bestätigt die explosiv invasive Zunahme des pollen- und nektarspendenden Jakobskreuzkrautes. Die Verseuchung von Honig mit PA ist dort inzwischen so groß, dass der Honig wegen dem hohen Risiko nicht mehr konsumfähig ist und vernichtet wird. Zudem belasten auch heimische Pflanzenarten wie Natternkopf und Beinwell den Honig mit PA. Honige aus anderen Ländern können ebenso Belastungen mit PA infolge mehrerer PA-hältiger Trachtpflanzen auf weisen (Frühwirth, 2017).

„Biodiversitäts-fanatischer Naturschutz“ fördert die Kreuzkraut-Ausbreitung
Naturschutzstiftungen kauften in Deutschland zehntausende Hektar Wiesen auf, mit der Absicht, um die Biodiversität zu fördern. Die klassische Futternutzung mit Mahd und Weide wird absichtlich vermieden, um der Pflanzenvielfalt eine freie Entwicklung zu lassen. Ohne ständiger landwirtschaftlichen Nutzung und Pflege verwildern, verbuschen und versumpfen die Flächen in kurzer Zeit. Dadurch können sie nicht mehr befahren, gemäht oder bekämpft werden (BauernTV, 2015). In wenigen Jahren führt bzw. führte dies zur flächenbeherrschenden, monokulturartigen Ausbreitung von Jakobskreuzkraut auf tausenden Hektaren Naturschutzwiesen. Eindämmende Maßnahmen wie das Mulchen verbietet der Naturschützer und Chemiker Aike Huckauf, Leiter der Stiftung Naturschutz, weil „die Flächen inzwischen ungemein artenreich sind“. Die Stiftung Naturschutz erhob sich selbst zum Jakobskreuzkraut-Kompetenzzentrum mit dem ab 2017 die Behörden in Schleswig-Holstein trotz fehlender Unabhängigkeit zusammenarbeiten wollen und sich für Forschungsergebnisse trotz höchster Dringlichkeit noch fünf Jahre Zeit nehmen (ARD, 2017).
Die Schweiz hat im Jahre 1993 für alle Landwirte verpflichtende „Ökologischen Ausgleichsflächen“ mit Verboten für chemische Dünger und Unkrautbekämpfungsmittel eingeführt. Nach 8-10 Jahren ist dort das Wasserkreuzkraut und Jakobskreuzkraut grassierend im Vormarsch und nicht mehr regulär kontrollierbar. Auch in Bayern hat sich das Wasserkreuzkraut und Jakobskreuzkraut auf Flächen mit Verzicht auf Dünge und wirksamer Unkrautbekämpfung ausgebreitet. Das Wasserkreuzkraut ist so invasiv, dass es nun auch auf gutem Wirtschaftsgrünland wächst. Immer mehr giftiges Kreuzkraut macht das Futter unbrauchbar und entwertet zunehmend das Grünland in Österreich, Deutschland und der Schweiz; ausgelöst durch die Extensivierung von Wiesen und gut gemeinten Verzicht auf Dünge- und Pflanzenschutzmitteln.

Neue invasive Kreuzkrautarten auf Wiesen
Seit wenigen Jahren treten zwei weitere problematische Kreuzkrautarten auf Wiesen auf. Das Raukenblättrige Kreuzkraut wandert in Niederösterreich von Waldlichtungen und lichten Waldwegen in Wiesen ein, die nach eigener Beobachtung nicht gedüngt und wenig gemäht werden. Zusätzlich breitet sich das von Baumwollspinnereien eingeschleppte südafrikanische Schmalblättrige Kreuzkraut als Neophyt in Europa, vom Westen nach Osten an Wiesensäumen aus. Auffällig ist die invasive Ausbreitung entlang von Hauptverkehrsstraßen. Auch hier zeigt sich, dass das Erkennen der Arten höchst wichtig ist, um ihre Ausbreitung frühzeitig feststellen zu können.

Ein Beobachtungssystem für Giftpflanzen ist notwendig
Die gefährliche Ausbreitungstendenz bei den Kreuzkräutern und den anderen Giftpflanzen in und um Österreich zeigen, dass auf Wiesen dringend ein Beobachtungssystem notwendig wird, um die schädliche Ausbreitung rechtzeitig zu erkennen. Zum Schutz der heimischen Ressource Grünland sind dann wirksame naturnahe Eindämmungsmaßnahmen mit konkurrenzstarken Futtergräsern zu entwickeln. Nur eine nachhaltige Grünlandwirtschaft mit einwandfreien und hochwertigen standörtlichen Futterpflanzen mit geringer Kostenbelastung sichert die bäuerliche Wertschöpfung aus dem Wirtschaftsgrünland. Das unterstützt auch den Erhalt der ländlichen Besiedelung und kommt der Wirtschaft und Beschäftigten zugute, vermindert lange Pendlerarbeitswege und die klimarelevante CO2 Belastung durch den Pendlerverkehr.

Conclusio
Der Beitrag zeigt die aufkommende Gefahr durch die rasche Ausbreitung von Jakobskreuzkraut.
Gefährdet werden dabei Futterwiesen, Vieh, Milchwirtschaft, Imkerei und der Mensch.
Die regional rasche Zunahme wird durch die landesweite Wiesenextensivierung, die Aushungerung der Fettwiesengräser mit sukzessiver Lückenbildung, die zunehmend höheren Temperaturen und der Entwertung der Wiesen durch Rückzug aus der produktiven Viehwirtschaft erklärt. Bei geringem Befall mit Jakobskreuzkraut kann ein häufigerer Futterschnitt die Ausbreitung eindämmen, während bei flächenhaftem Befall die Bekämpfung zunehmend schwieriger wird. Die Verwechslungsmöglichkeiten mit anderen Pflanzenarten werden aufgezeigt. Das sichere Erkennen der Pflanze ist ein Schlüsselpunkt für die rechtzeitige Bekämpfung. Für die Reparatur befallener Flächen ist nach der Bekämpfung die Auswahl geeigneter Futtergräser und Leguminosen in der Saatgutmischung in Abstimmung mit Nutzung und Düngung entscheidend. In Österreich hat Wasserkreuzkraut und Alpenkreuzkraut regional bereits Massenbestände entwickelt. In der Schweiz und in Bayern gefährden Kreuzkräuter bereits auch das hochwertige Wirtschaftsgrünland. Mit Fragen zur Eindämmung und sicheren Identifizierung von Kreuzkräutern im Rosetten- und Blütenstadium und zur Auswahl standörtlich geeigneter Gräser zur Wiesenreparatur und Ertragsverbesserung von Futterwiesen wenden Sie sich unter johann.humer@gmail.com, Autor der vorliegenden Expertise.